Julian
Hanich


Texte zum Kino

Supermario, der Zauberer
„Männersache“ von Gernot Roll und Mario Barth (2009)

Das Ganze erinnert an die siebte Klasse. Damals bekam Andreas zum ersten Mal den Hobbykeller seiner Eltern gestellt. Seine Party sollte nichts weniger als der absolute Knaller werden. Nur ein Problem hatte der rührige Mitschüler: Wie konnte er die Einladungen in der Klasse verteilen und dabei ausschließlich die Stimmungskanonen erreichen? Die Großmäuler und Sarkasten sollten zu Hause bleiben. Kritische Worte am nächsten Tag im Klassenzimmer? Um Himmels Willen, bloß nicht.

Der Verleih des Spielfilms „Männersache“ hat es – wieder einmal – mit fadenscheiniger Argumentation geschafft, Pressevorführungen zu vermeiden. Der Film sollte an den professionellen Kritikern vorbeigeschleust werden. Erwünscht waren nur „Berichterstatter“, von denen gute Stimmung zu erwarten war. Mit einem Wort: Hype. Doch meine lieben Damen und Herren von der Constantin: Der Versuch, uns potentielle Spielverderber nicht einzuladen, war schon in der siebten Klasse eine kindische Strategie. Zum einen haben wir es immer irgendwie geschafft, uns auf die Party einzuschleichen (in diesem Fall: die Filmpremiere am Sonntag). Zum anderen zeugt diese Geheimniskrämerei von mangelnder Souveränität, ja Angst. Und das macht verdächtig.

Was sollte in diesem Fall vor den kritischen Augen verborgen werden? Je länger man dem 96-minütigen Oeuvre namens „Männersache“ beiwohnt, desto stärker drängt sich der Eindruck auf: alles. Und „alles“ heißt in diesem Fall: der Witzemacher Mario Barth, auf den dieser Film in beinahe jeder Einstellung zugeschnitten ist. Moment mal, Mario Barth? Der Mario Barth? Ganz genau, der Berliner Stadionfüller, der Kreuzberger Guinessbuch-Rekordler, der Supermegagigamario hat seinen ersten Film gedreht und dabei versucht, seine Bühnendarbietungen ins Kino herüberzuretten.

Das ist – kaum verwunderlich – grotesk gescheitert. Wie bei nahezu allen Kinodebüts von Bühnen- oder Fernsehkomödianten hat das einerseits damit zu tun, dass der Spielfilm eine rudimentäre Handlung verlangt, die sich zwischen die Gags drängt und das Tempo verschleppt. Dass es hier um zwei Kumpels geht (gespielt von Mario Barth und Dieter Tappert), die sich ewige Männerfreundschaft geschworen haben und durch Frauen, Erfolg und andere Kleinigkeiten von ihrem gemeinsamen Weg abgebracht werden – geschenkt. Das Missraten dieses Films hat aber noch eine viel grundsätzlichere Ursache: den Humor von Mario Barth, einem Komiker, der es keineswegs für ein Kapitalverbrechen oder zumindest rufschädigend hält, folgende Frage ins Drehbuch zu schreiben: „Warum heißt es ‚telefonieren’ und nicht ‚telefolebern’?“

Man braucht gar nicht anzufangen, neidisch auf britische und amerikanische Gegenwartskomödien wie  „Borat“, „Tropical Thunder“ oder „Leg Dich nicht mit Zohan an“ zu schauen, um das Altfränkische von Barths Humors zu erkennen. Selbst läppische Teenager-Komödien wie „Van Wilder“ sind im Vergleich von geradezu subversiver Wucht, weil sie mit ihren Ekelscherzen und Slapsticknummern so direkt auf den Körper des Zuschauers zielen, dass es weh tut. Bei Mario Barths Toiletten-Scherzen, Schlürfschmatzfurz-Albernheiten und Osteuropäer-Karikaturen kitzelt es nicht mal. Darüber hinaus verspürt er auch noch ständig den Drang, längst verstandene Gags mit einer Nachhilfepointe zu erklären. Das Traurige an „Männersache“ ist also nicht nur, dass die Witze einen elend langen Barth haben (um es mit einem angemessen mauen Kalauer zu sagen), sondern dass der Humor auch noch radikal  harmlos bleibt. Dass Mario Barth dem „Cahiers du Cinema“-Liebling Jerry Lewis ein paar Mal die Ehre zu erweisen versucht, muss man daher fast als Hybris bezeichnen.