Julian
Hanich


Texte zum Kino

„Bad Company“ von Joel Schumacher (2002)

Bad taste: Die Filme des Großproduzenten Jerry Bruckheimer sind vergleichbar mit einem Spießbürger nach dem Besuch im All-You-Can-Eat-Restaurant: soviel hineingestopft wie möglich. Sie sind brüllend laut, erzpatriotisch und so feingeistig wie die Rhetorik von Bush, dem Jüngeren. „Top Gun“, „Armageddon“, „Pearl Harbor“ ─ noch Fragen? Bruckheimer beschäftigt gerne Videoclip-Regisseure der neuesten Generation wie Michael Bay („The Rock“) oder Simon West („Con Air“), die den Filmen ein Blitzlichtgewitter-artiges Schnitttempo vorgeben. Dieses Mal hat er den 62-jährigen Joel Schumacher angeheuert, einen Mann für alle Fälle. Gemessen an den sonstigen Bruckheimer-Filmen haucht uns „Bad Company“ geradezu ein langsames, leises Gute-Nacht-Lied entgegen ─ was ihn allerdings nicht besser, sondern nur einschläfernder macht.

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Bad timing: Kaum ist in „Der Anschlag“ eine Atombombe hochgegangen, wird hier schon wieder mit einem nuklearen Sprengkörper herumhantiert. Eine Gruppe von Terroristen, die Amerika verabscheut, will die Grand Central Station in New York in die Luft jagen. Warum der Film nicht im Herbst 2001 herauskam, wie ursprünglich geplant, kann man sich denken.

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Bad idea: Um den Bösewichten die Bombe abzuluchsen, setzt der CIA-Stratege Gaylord Oakes (Anthony Hopkins) auf seinen schwarzen Topagenten Kevin Pope (Chris Rock). Nach dessen Ermordung, treibt die CIA seinen bei der Geburt getrennten Zwillingsbruder Jake Hayes auf. Der soll in die Haut seines Bruders schlüpfen. Weil aber der eine ein gelackter Anzugträger mit exquisitem Geschmack, feinsten Manieren und Ivy-League-Abschluss war und der andere ein großmäuliger Schlawiner ist, der in einem Ghetto-Loch haust und seine Weisheiten allenfalls von der Straße hat, gibt es Probleme. Der Widerspenstige muss gezähmt werden. Dahinter steckt eine nicht unproblematische, leicht bizarre Phantasie von der Gefügigmachung eines schwarzen Störenfrieds durch das weiße Establishment. Auch wenn er am Ende nicht in die Upper Class seines toten Bruders aufsteigen darf, so wird Jake doch eine Familie gründen und eine brave Mittelklasse-Existenz beginnen. Ein Schwarzer weniger im Ghetto. Das ist doch auch schon mal was.

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Bad acting: Der Stand-up-Komödiant Chris Rock redet dabei, als wäre Stille eine Zumutung und Schweigen ein Verbrechen. Das ist bisweilen nicht unwitzig. Allerdings kennt man Rock viel frecher und unverschämter. Sein Partner stellt sich dagegen weniger wortgewandt dar. Anthony Hopkins spielt als habe er sich durch Method Acting in die Rolle eines, sagen wir, Holzpflocks hineingearbeitet: Nie hat man ihn unbeweglicher und hölzerner gesehen. Der Titel passt: eine schlechte Begleitung.